Über den Bundestrojaner und seine Kumpanen wurde viel geschrieben, das meiste mehrfach, dass ein solches Werkzeug inakzeptabel ist ist ebenfalls den meisten Menschen klar, die mit dem Internet umgehen und es nicht von Mitarbeiter "bedienen" (Zitat Glos) lassen. Wenn man die ganzen Spekulationen aber auch nur einmal beiseite lässt und sich anschaut, was im Schatten dieser Diskussion mehr oder weniger heimlich eingeführt wird und von welchen Behörden das veranstaltet wird, dann kann man wirklich erschrecken, nicht nur mit Blick auf die Pläne in Großbritannien. Wie passt beispielsweise die Idee des Familienministeriums dazu, die Polizei nach kinderpornografischen Webseiten suchen zu lassen? Oder die Einrichtung einer "sicheren" Emailadresse für alle Bundesbürger fast zeitgleich mit der Installation von Vorratsdatenspeicherung? Ein Schelm, wer böses dabei denkt, aber die Linie lässt sich leider fortführen. Was ist denn der Plan dahinter? In den Weiten des Netzes wird ja viel spekuliert über diese Pläne, ich glaube nicht so recht daran, wenn ich mir die Leute anschaue, die diese Sachen verzapfen, die haben so wenig Ahnung von der ganzen Materie, dass sie erst recht keinen Plan haben können und die Personen im Hintergrund, die diese Entscheidungen einstreuen, kommen doch in den seltensten Fällen aus den grauen Gebäuden in Pullach o.ä. sondern vielmehr aus schicken Appartments der Medienindustrie in Brüssel. Protestieren sollten wir natürlich, aber ich denke, so wie wir Angst davor haben, dass man uns die sich erst langsam erschließenden Möglichkeiten des Internet wieder weg nimmt und damit vielen Menschen vor allem in anderen Erdteilen die Möglichkeit der Partizipation und der Freiheit nimmt, so haben viele dieser doch größtenteil (ich schränke das absichtlich ein, denn es gibt hier hervorragende Gegenbeispiele, das wohl prägnanteste hat gerade eine große Wahl jenseits des Atlantik gewonnen) mit diesem Thema nicht betrauten Bürger in den Parlamenten etwas zu viel Respekt vor diesem "Ding", gerade in der Union. Wie gesagt will ich nicht dazu aufrufen, weniger zu kritisieren, mir ist das nur gerade aufgefallen, als ich meinen Großeltern Formatvorlagen in Openoffice.org erklärt habe, die hatten mehr als Respekt und sind doch eigentlich sehr aufgeschlossen und haben auch mit Textverarbeitung einiges zu tun (Lektorat etc.) und da war noch nicht einmal das Internet mit all seinen Untiefen im Spiel. Aber Unwissenheit ist ja nicht nur auf diesem Gebiet ein Hochrisikofaktor für Missverständnisse, Fehlentscheidungen und Abwehrreflexe.
Da hilft nur eins: Lebenslanges Lernen auch für Minister ;-)
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