07.11.2008

Kartell der Rindviecher

Geht das nur mir so oder sind diese Milchpreisedebattenführer wirklich so dämlich, wie sie klingen? Da wird fröhlich Milch produziert und sich anschließend beschwert, dass die Preise sinken - oh? Da wird der Turbokapitalismus aus der Mottenkiste geholt und mit dem Holzhammer feste drauf gehauen - bei einer Staatsquote von fast 45% sollte man sich solche Begriffe verkneifen und auch die geforderte Regulierung ist nicht zu wenig, sondern nur falsch angewendet.

Aber was machen wir jetzt mit den ganzen Bauern, die vielfach das Landschaftsbild in Deutschland prägen und vor allem in den Alpen mit für Touristenströme sorgen? Ich weiß es natürlich auch nicht, aber wenn ein Verband von 35000 Milchbauer Aldi und Lidl Preisabsprachen und Kartellverhalten vorhält, was ist er selbst, wenn er meint, Verkaufspreise und -mengen für eben diese Mehrheit der Milcherzeuger festlegen zu können? Natürlich kann ein Bauer mit 20 Kühen alleine davon nicht leben, zumindest nicht für 0,55 € pro Liter im Supermarkt, aber dann muss er entweder seine Milch teurer verkaufen (Stichwort Bioladen, von den Preisen kann er leben), seine Herde vergrößern (Fusion oder Kauf) oder umschulen, so hart das auch klingt, denn alle diese Kleinbauern werden auf Dauer nicht in ihrem angestammten Beruf überleben können (fängt ja schon an, da muss man kein Prophet sein). Das ist hart und auch wirklich schade, aber das haben andere Branchen wie der Bergbau auch erleben müssen, vielleicht bieten sich auch ganz neue Märkte durch den Tourismus, ich fand es als Kind zumindest klasse, im Urlaub die Kühe von der Alm zu treiben, da lässt sich bestimmt was draus machen, zumindest an der ein oder andere Ecke. Oder die Bauern versuchen es wie bisher, indem sie sich selber zu Kartellen zusammenschließen und gemeinsam versuchen, Preise zu diktieren - was aber nicht mehr funktioniert, weil trotz steigender Transportkosten der Import solcher Waren attraktiver wird, je teurer es hier ist und auf absehbare Zeit wird der Markt in der EU sicher noch ein wenig liberaler (nach einem kurzen Ausflug in den Protektionismus nach der Finanzkrise) und dann kommen die Bauern im Osten Europas zum Zug, die riesige Flächen und riesige Herden ohne lästige Ballungszentren haben, da ist die Milch so günstig, da werden sich die Damen und Herren noch gehörig umschauen.

Jedenfalls existiert hier derzeit von keiner Seite ein wirklicher Markt, die Discounter sprechen sich offensichtlich ab, die Bauern versuchen sich abzuschotten - so geht das auf keinen Fall, das ist weder für die Bauern in Deutschland, die wesentlich weniger gepäppelt werden als beispielsweise jene in Frankreich, noch die Händler noch die Bürger fair. Die Butterberge in Brüssel sollten wirklich der Vergangenheit angehören.
 
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