Irgendwie vermisse ich eine gute Presseschau, die Berichte aus liberaler Sicht bewertet. Es gibt sowieso nur sehr wenige Stellen, die sich mit solcher Arbeit belasten, die besten sind meiner Meinung nach in den öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten zu finden, die hier einmal wirklich vorbildlich ihrem Auftrag nachkommen, wenn auch leider vielfach unbeachtet. Vielleicht hat aber auch jemand bereits ein solches Projekt gestartet, nur weiß man davon noch nichts? Wäre ja zu schön um wahr zu sein, wäre da sicher ein täglicher Gast, es muss ja nicht nur beobachtend sein, sondern darf ruhig kommentieren.
Allerdings stellt sich mir im gleichen Atemzug die Frage: Was machen denn Blogger anderes, zumal wenn sie sich politisch äußern? Nun, der größte Unterschied dürfte sein, dass in den meisten Fällen die Quellen nicht angegeben werden. Ich finde das nicht nur aus Sicht des Universitätsstudenten, der sich täglich mit Literaturverzeichnissen herumschlagen muss, essentiell, denn ich möchte ja die Sicht des Kommentators nachvollziehen und bevor ich einen Artikel schreibe, habe ich mir meistens mehr als fünf weiterführende Artikel angeschaut, die ich meistens auch verlinke - was mir aber irgendwie noch nicht reicht. Mal sehen, ich werde da mal ein wenig experimentieren mit verschiedenen Möglichkeiten, in der Art von Wikipedia Weblinks am Ende setzen vielleicht, oder sogar richtige Quellenangaben? Mal schauen was sich da als praktikabel erweist.
Auf dem EU-Gipfel im Vorfeld des G20-Treffens zur Neuorganisation des Weltfinanzsystems haben sich die EU-Länderchefs auf einen 5-Punkte-Plan geeinigt, der eine Vereinheitlichung der weltweiten Bilanzierung und Regulierung vorsieht, eine Stärkung des IWF und zukünftig Exzesse der Art, wie wir sie in den letzten Jahren erlebt haben, vermeiden soll [1]. Die EU macht hier ordentlich Druck, was ich ziemlich gut finde, endlich einmal haben die Diven in den Einzelstaaten mal gemerkt, dass man auch über seinen Schatten springen kann - hoffen wir das beste. Aber kaum hat man sich geeinigt und scherzt schon wieder herum mit dem Herrn Sarkozy herum [2], wird auch schon ein neues Fass aufgemacht, indem implizit das Thema Verfassung und Kerneuropa herausgeholt wird durch die offene Frage, die Euro-Gruppe eventuell von der finanziellen auf eine politische Ebene zu heben. Diese Option halte ich für sehr gefährlich, es gibt ja nicht umsonst viele verschiedene Prozesse in Europa, angefangen mit den Assoziierungsabkommen und Wirtschaftsvereinbarungen bis hin zu Schengen, Euro und was es sonst halt noch so gibt. Natürlich muss es hier einen gemeinsamen Nenner geben, dafür eignet sich halt eine Verfassung, aber nur weil man die halt nicht sofort durchsetzen kann, darf man meiner Meinung nach nicht eine solche halbgare "Lösung" entwerfen, die ja im Endeffekt überhaupt nicht mehr bringt. Ich finde, es sollte in aller Ruhe ein Lösung entworfen werden, dass sowas funktioniert hat ja die Überarbeitung der Verfassung zu einem Vertrag gezeigt, auch wenn hier durch die starke Verkomplizierung nicht unbedingt eine Meisterleistung vollbracht wurde, vielleicht lässt sich aus der derzeitigen Krise ja die Lehre ziehen, dass alle zusammen es schaffen können, wie gerade wieder demonstriert mit diesen fünf Punkten [3], oder dass es halt nur des richtigen Augenblicks bedarf, notfalls werden bestimmte Pakete halt aufgeschnürt und separat beschlossen, das haben sie ja schon des Öfteren demonstriert, auch wenn ich das, neben der mangelnden Transparenz und Kommunikation mit den Bürgern, für einen der Hauptgrund halte, warum viele Bürger der EU skeptisch gegenüber stehen: es wird viel zu viel getrickst, also ist auch das keine so gute Lösung, schauen wir mal was kommt.
Quellen:
[1] EU-Finanzgipfel (Süddeutsche)
[2] EU-Finanzgipfel (Frankfurter Rundschau)
[3] Brüsseler Finanzsystemstellscharuben (Frankfurter Rundschau)
Weitere gute Artikel, die ich ohne Kommentar empfehle, einfach mal zu lesen (sowas hat dann schon etwas von einem Metablog, aber es erscheint mir wenig sinnig, Artikel neu zu schreiben, denen ich einfach zustimme und im Augenblick nichts hinzuzufügen habe):
New Deal für die Bildung (DIE ZEIT)
Datenschutz im Grundgesetz (DIE ZEIT)
Staat und Marktwirtschaft (Brandt.aktuell)
Hmm, weiß nicht so recht, müsste praktikabler werden dieses zitieren, naja, vielleicht kommt da mal was, wir werden sehen...
09.11.2008
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