Die neuerliche Diskussion um die schon vor einem Jahr diskutierten Nacktscanner, die dieses Jahr dann lieber Körperscanner heißen sollen, verwundert mich doch etwas. Aus der Bundesregierung und was mich wirklich beschämt auch aus der FDP werden jetzt Stimmen laut, die diese Geräte unter bestimmten Umständen doch einführen wollen - natürlich nur, wenn damit die Sicherheit tatsächlich erhöht und gleichzeitig die Intimsphäre nicht verletzt wird, zumindest wird das heute behauptet.
Denn wie immer, wenn es um Hochtechnologie geht (und digitale Bildverarbeitung fällt ganz klar darunter), versteht nur eine winzige Minderheit der Parlamentarier wirklich etwas von der Materie. Wenn jetzt, nach nur einem Jahr, diese Technik, die weltweit bisher nicht der große Renner ist und damit keine Megagewinne erzielt, so immens weiterentwickelt worden sein soll, dass sie individuelle, digitale 3D-Scans von Menschen selbstständig abstrahiert und dabei auch noch unterscheiden kann zwischen einem Piercing und einem Zünder, einem künstlichen Darmausgang und einem Behälter mit Flüssigsprengstoff, dann haben wir es entweder mit Hellsehern zu tun, die in der Gewissheit auf Milliardengewinne in diese Branche eben solche Milliarden investiert haben, oder mit einem Favoriten für den nächsten Nobelpreis und Fields-Medaille. In jedem anderen Fall geht es nur um ein statistisches Mittel, das seine Intimsphäre wahren kann, der Rest muss halt mit einer Bloßstellung leben.
Aus technischer Sicht ist es also sehr unwahrscheinlich, dass die beschriebenen Anonymisierungswerkzeuge, einhergehend mit einer sicheren und dann zwangsläufig automatischen Erkennung von Gefahrenpotenzialen, in den nächsten Jahren einsatzbereit sein werden. Zum Vergleich möge der relativ simpel erscheinende Pfandautomat im Discounter um die Ecke genügen, der ebenfalls auf einer Bildverarbeitung beruht und eine wesentlich niedrigere Fehlerrate haben dürfte als ein Nacktscanner - und das will etwas heißen. Oder die gescheiterten Versuche, die Gesichter von Rolltreppen fahrenden Bahnkunden aus einem Video zu extrahieren, diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen, dass Politiker aller Couleur sich trotzdem nicht scheuen, jeden Lobby-Humbug sofort nachzuplappern, spricht eher gegen als für ihre Urteilsfähigkeit.
Peter Schaar, unser Bundesbeauftragter für Datenschutz, weist da einen meiner Ansicht nach besseren Weg: Er fordert, die bisherigen Quellen erst einmal auszuschöpfen, denn im Nachhinein liegen über fast jeden Attentäter o.ä. bereits einschlägige Informationen vor, die allerdings meist aus Personalmangel oder Abstimmungsproblemen unter den Tisch fielen. Das ist sicherlich kein Plädoyer für einen uneingeschränkten Datenaustausch unter Behörden, im Gegenteil sollten die bisherigen Regelungen vielleicht vor einer weiteren Ausweitung erst einmal evaluiert und u.U. gestrichen werden, aber wer die vorhandenen Mittel nicht ausnutzen kann, der wird doch mit noch mehr Quellen nicht besser zurecht kommen. Herr Schaar beschreibt das ganz passend mit der Nadel im Heuhaufen, die man auch nicht besser fände, wenn man den Heuhaufen dauernd vergrößere.
Was natürlich auch nicht geht, sind jetzt aufkommende Vermischungen von Terahertz- und Röntgenscannern. Röntgenstrahlen haben sich als schädlich für Gewebe erwiesen und sollten daher nur in Notfällen eingesetzt werden, also dem Gesundheitsbereich vorbehalten sein (bei Koffern ist das natürlich etwas anderes). Wenn diese beiden Techniken jetzt unter einer Überschrift diskutiert werden, ist das zwar vielleicht für das liberale Anliegen einer Verhinderung solcher Apparaturen im Allgemeinen behilflich, macht die Debatte jedoch nicht gerade glaubwürdiger.
Ein anderer Punkt, der in dieser Diskussion ebenfalls immer wieder aufkommt, ist der Vergleich mit der Leibesvisitation. Ich glaube jedoch, dass ein solcher Vergleich hinkt, wenn man sich die Zeiten ansieht, die eine solche Maßnahme bindet, heute wird ja nicht jede Person so abgetastet, wie das ein solcher Scanner tun würde, alles andere ist für einen solchen Vergleich untauglich da einfach nicht vergleichbar.
Ich kann aus all diesen Gründen die aktuelle Diskussion einfach nicht verstehen, es hat sich nichts an der technischen Situation verändert, weshalb die kolportierten Verbesserungen für mich in das Reich der Hirngespinste gehören und nichts sind außer potemkinschen Dörfern, ein Sicherheitsgewinn kann nur erreicht werden durch einen massiven Eingriff in die Intimsphäre, denn automatische Mechanismen versagen regelmäßig kläglich auf diesem Feld.
Ich bitte die Damen und Herren meiner Partei daher inständig, nicht auf solche Bauernfänger hereinzufallen und dadurch die Liberalen auf eine Weise unglaubwürdig zu machen, die sie einfach nicht verdient haben, denn es sprechen sich viele klar gegen solche Tendenzen aus. Die FDP ist 2009 angetreten mit der Absicht, den Menschen und ihren Rechten wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken, durch solche Äußerungen erreichen wir das genaue Gegenteil, denn es ist wie überall: Vertrauen aufzubauen ist lange, harte Arbeit, zerstört werden kann es aber schon durch wenige, falsche Worte.

Denn wie immer, wenn es um Hochtechnologie geht (und digitale Bildverarbeitung fällt ganz klar darunter), versteht nur eine winzige Minderheit der Parlamentarier wirklich etwas von der Materie. Wenn jetzt, nach nur einem Jahr, diese Technik, die weltweit bisher nicht der große Renner ist und damit keine Megagewinne erzielt, so immens weiterentwickelt worden sein soll, dass sie individuelle, digitale 3D-Scans von Menschen selbstständig abstrahiert und dabei auch noch unterscheiden kann zwischen einem Piercing und einem Zünder, einem künstlichen Darmausgang und einem Behälter mit Flüssigsprengstoff, dann haben wir es entweder mit Hellsehern zu tun, die in der Gewissheit auf Milliardengewinne in diese Branche eben solche Milliarden investiert haben, oder mit einem Favoriten für den nächsten Nobelpreis und Fields-Medaille. In jedem anderen Fall geht es nur um ein statistisches Mittel, das seine Intimsphäre wahren kann, der Rest muss halt mit einer Bloßstellung leben.
Aus technischer Sicht ist es also sehr unwahrscheinlich, dass die beschriebenen Anonymisierungswerkzeuge, einhergehend mit einer sicheren und dann zwangsläufig automatischen Erkennung von Gefahrenpotenzialen, in den nächsten Jahren einsatzbereit sein werden. Zum Vergleich möge der relativ simpel erscheinende Pfandautomat im Discounter um die Ecke genügen, der ebenfalls auf einer Bildverarbeitung beruht und eine wesentlich niedrigere Fehlerrate haben dürfte als ein Nacktscanner - und das will etwas heißen. Oder die gescheiterten Versuche, die Gesichter von Rolltreppen fahrenden Bahnkunden aus einem Video zu extrahieren, diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen, dass Politiker aller Couleur sich trotzdem nicht scheuen, jeden Lobby-Humbug sofort nachzuplappern, spricht eher gegen als für ihre Urteilsfähigkeit.
Peter Schaar, unser Bundesbeauftragter für Datenschutz, weist da einen meiner Ansicht nach besseren Weg: Er fordert, die bisherigen Quellen erst einmal auszuschöpfen, denn im Nachhinein liegen über fast jeden Attentäter o.ä. bereits einschlägige Informationen vor, die allerdings meist aus Personalmangel oder Abstimmungsproblemen unter den Tisch fielen. Das ist sicherlich kein Plädoyer für einen uneingeschränkten Datenaustausch unter Behörden, im Gegenteil sollten die bisherigen Regelungen vielleicht vor einer weiteren Ausweitung erst einmal evaluiert und u.U. gestrichen werden, aber wer die vorhandenen Mittel nicht ausnutzen kann, der wird doch mit noch mehr Quellen nicht besser zurecht kommen. Herr Schaar beschreibt das ganz passend mit der Nadel im Heuhaufen, die man auch nicht besser fände, wenn man den Heuhaufen dauernd vergrößere.
Was natürlich auch nicht geht, sind jetzt aufkommende Vermischungen von Terahertz- und Röntgenscannern. Röntgenstrahlen haben sich als schädlich für Gewebe erwiesen und sollten daher nur in Notfällen eingesetzt werden, also dem Gesundheitsbereich vorbehalten sein (bei Koffern ist das natürlich etwas anderes). Wenn diese beiden Techniken jetzt unter einer Überschrift diskutiert werden, ist das zwar vielleicht für das liberale Anliegen einer Verhinderung solcher Apparaturen im Allgemeinen behilflich, macht die Debatte jedoch nicht gerade glaubwürdiger.
Ein anderer Punkt, der in dieser Diskussion ebenfalls immer wieder aufkommt, ist der Vergleich mit der Leibesvisitation. Ich glaube jedoch, dass ein solcher Vergleich hinkt, wenn man sich die Zeiten ansieht, die eine solche Maßnahme bindet, heute wird ja nicht jede Person so abgetastet, wie das ein solcher Scanner tun würde, alles andere ist für einen solchen Vergleich untauglich da einfach nicht vergleichbar.
Ich kann aus all diesen Gründen die aktuelle Diskussion einfach nicht verstehen, es hat sich nichts an der technischen Situation verändert, weshalb die kolportierten Verbesserungen für mich in das Reich der Hirngespinste gehören und nichts sind außer potemkinschen Dörfern, ein Sicherheitsgewinn kann nur erreicht werden durch einen massiven Eingriff in die Intimsphäre, denn automatische Mechanismen versagen regelmäßig kläglich auf diesem Feld.
Ich bitte die Damen und Herren meiner Partei daher inständig, nicht auf solche Bauernfänger hereinzufallen und dadurch die Liberalen auf eine Weise unglaubwürdig zu machen, die sie einfach nicht verdient haben, denn es sprechen sich viele klar gegen solche Tendenzen aus. Die FDP ist 2009 angetreten mit der Absicht, den Menschen und ihren Rechten wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken, durch solche Äußerungen erreichen wir das genaue Gegenteil, denn es ist wie überall: Vertrauen aufzubauen ist lange, harte Arbeit, zerstört werden kann es aber schon durch wenige, falsche Worte.









