12.06.2010

Spitzensteuersatz

Da hört man die Tage wieder allerlei Getöse aus den Ecken der Gutmenschen, die angesichts des wirklich respektablen Sparpaketes der Regierung (OK, bei den Subventionen á la Mehrwertsteuervergünstigung allgemein und weiterem Humbug, der sich im Subventionsbericht minutiös nachvollziehen lässt und schlicht abgeschafft gehört), wo endlich nicht einmal mehr die heilige Kuh Wehrpflicht ausgelassen wird, über die Ungerechtigkeit und soziale Schieflage klagen und eine stärkere Besteuerung der "Reichen" in diesem Land fordern.

Nun gut, wenn jemand reich ist, soll er auch mehr zum Wohle der Gesellschaft beitragen als jemand, der um den Durchschnitt oder darunter verdient - das ist Konsens bei den meisten, denke ich. Nun wird hier allerdings immer wieder der Begriff "Spitzensteuersatz" in den Mund genommen, der spätenstens seit 2007 mit Einführung der so genannten "Reichensteuer" unscharf geworden ist, denn es gibt nun eigentlich zwei solche Sätze: einmal mit der regulären Progressionsgrenze und dann eben die Reichensteuer, die ab ca. 250.000,-€ Gehalt pro Jahr fällig wird.

Ich denke, wenn es um letztere geht, ist eine Erhöhung kein Beinbruch, allerdings glaube ich, dass für Personen mit einem derartigen Einkommen die Abgeltungssteuer mit pauschal 25% wesentlich günstiger kommt, so dass dieser Tarif zumindest für die Staatskasse gelinde gesagt unerheblich bleiben dürfte, zumal er sich von der Progressionsgrenze der allgemeinen Einkommensteuer nur marginal unterscheidet (3%).

Wenn es jedoch darum geht, den "normalen" Spitzensteuersatz nach oben zu verschieben, ohne dabei die Progressionsgrenze massiv anzupassen, wäre das eine Ungerechtigkeit unbeschreiblichen Ausmaßes. Um das zu erläutern, möchte ich einen Blick in die Geschichte der Einkommensteuer wagen und mit zwei simplen, aber äußerst eingängigen Grafiken erläutern:




Wenn ich mir hier anschaue, wie sich das Durchschnittseinkommen neben der Progressionsgrenze verhält, kann ich den Leuten leider nicht abnehmen, dass bei einer Anhebung des Spitzensteuersatzes die "Reichen" belastet werden - nach deren Aussage müssen dann ja alle reich sein, die noch nicht einmal das doppelte des Durchschnittslohnes verdienen!

Es ist nicht trivial, diese Zusammenhänge aus der täglichen Berichterstattung herauszulesen, aber sich einer solchen Forderung anzuschießen, disqualifiziert meiner Ansicht nach für weitere Diskussionen über solche Themen. Wenn schon keine Steuersenkungen in diesem Bereich möglich sind (z.B. durch eine massive Streckung der Progressionsgrenze), dann muss zumindest verhindert werden, dass Ahnungslose mit solchen Enten dieses Land zugrunde richten.
 
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